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ASV Nendingen I - SVG Weingarten 21:18

Artikel vom 30.09.2013, Autor: Fritz Reichle, Views: 4384, Kommentare: 0

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Ringerkrimi bringt ersteb Sieg des ASV Nendingen gegen den SVG Weingarten

Am Samstag um 21:28 Uhr glich die Mühlauhalle einem Tollhaus. Soeben hatte der ASV Nendingen nach einem an Spannung und Dramatik kaum zu überbietenden Thriller den mehrfachen deutschen Meister SVG Weingarten erstmals knapp mit 21:18 besiegt. „Edi“ Kratz konnte sich mit einem knappen Sieg im letzten Kampf als Matchwinner feiern lassen und kaum einen der 1200 begeisterten Zuschauer hielt es da mehr auf den Sitzen.
Auch ASV-Trainer Volker Hirt musste danach erst um Fassung ringen: „Ich bin einfach nur überglücklich. Nach der ganzen Vorgeschichte mit den Verletzungen und den Aufstellungsplanspielen bis zum letzten Tag hätte ich einen Sieg fast nicht mehr für möglich gehalten.“ Nach der Verletzung des fest eingeplanten Achmed Dudarov war in der Woche zuvor auch noch Stammringer Samet Dülger ausgefallen. Der Ausfall dieser beiden deutschen Ringer machte die Erfüllung der Deutsch-Quote zu einem großen Problem, das aber letztlich optimal gelöst wurde.
Auf beiden Seiten waren in dieser Spitzenbegegnung insgesamt acht WM-Ringer, darunter zwei Medaillengewinner, im Einsatz. Als die Mannschaftsaufstellungen bekannt wurden, war in fast jeder der zehn Paarungen mit hochklassigen, ausgeglichenen und offenen Kämpfen zu rechnen. Niemand wollte deswegen im Vorfeld mit einer festen Prognose herausrücken. Überraschend war dann aber doch, dass relativ viele Kämpfe einen klaren Sieger fanden, ohne dass dadurch auch nur ein Funke der knisternden Spannung verloren ging. Der ASV Nendingen gewann die fünf oberen und die leichteste Gewichtsklasse, während sich die Gäste mit vier Siegen in den mittleren Klassen begnügen mussten.
Für einen perfekten Start in dieses Ringerfest sorgte gleich zu Beginn Ghenadie Tulbea (55 kg F). Gegen Alexandru Chirtoaca war wie in früheren Begegnungen ein ganz enger Kampf erwartet worden. Doch das ASV-Ass überraschte seinen Gegner schon in der 2. Minute mit einem blitzschnellen Beinangriff, der zum umjubelten Schultersieg führte. Dieser nicht einkalkulierte Vier-Punkte-Sieg sollte sich später als entscheidende Grundlage für den Gesamtsieg des ASV erweisen. Noch größer wurde der Jubel in der Mühlauhalle, als anschließend Publikumsliebling Balazs Kiss (120 kg G) in einem schönen Kampf den deutschen WM-Starter Oliver Hassler deutlich beherrschte und mit 6:1 Punkten besiegte.
Darauf folgte aber wieder die Ernüchterung im Kampf von ASV-Neuzugang Dawid Ersetic (60 kg G) gegen den WM-Dritten Peter Modos. Vier Minuten lang schien Ersetic seinen passiv wirkenden Gegner zu dominieren und ging auch mit 1:0 in Führung. Dann aber drehte Modos vor allem aus der Bodenlage wie entfesselt auf und holte sogar noch einen Vier-Punkte-Sieg für die Gäste. In einem hochklassigen Freistilkampf konnte aber Nicolai Ceban (96 kg F) gegen den sehr agilen Bekhan Kurkiev mit einem hart erkämpften aber sicheren Sieg mit 8:2 Punkten den Vorsprung des ASV auf 10:6 ausbauen.
Den Ausgleich zum Pausenstand von 10:10 besorgte für Weingarten Anatoli Guidea. Der für Samet Dülger kurzfristig eingesprungene 15-jährige Tim Baur (66 kg F) stand hier natürlich auf verlorenem Posten, schlug sich aber in seinem ersten Bundesligakampf beachtlich.
Das Wechselbad der Gefühle ging auch in der zweiten Hälfte weiter. Zunächst überrollte Nenad Zugaj (84 kg G) mit der Anfeuerung der ASV-Fans Mateusz Wolny richtiggehend. Ständig vorwärts marschierend drängte er den Gast in die Defensive und holte die Wertungen zum Vier-Punkte-Sieg. Genau umgekehrt dann in der Klasse bis 66 kg G, wo Benjamin Raiser gegen den starken Ion Panait unter die Räder geriet und nach dem 4. Passivitätsverstoß disqualifiziert wurde.
Damit stand es wieder ausgeglichen 14:14 und viel kam auf den Kampf von Piotr Ianulov (84 kg F) gegen den WM-Siebten Gabriel Seregelyi an. Der ASV-Ringer zeigte in dieser Situation eine absolute Weltklasseleistung, als er seinen Kontrahenten mit lehrbuchreifen Freistilangriffen vorzeitig mit 12:0 Punkten deklassierte und für seine Mannschaft damit einen letztlich entscheidenden Vorsprung erkämpfte.
Aber nach dem Kampf von Ergün Aydin(74 kg F) gegen Georg Harth wurde es doch noch einmal spannend. In einem als völlig offen erachteten Kampf war der Gast in den entscheidenden Momenten etwas schneller und cleverer und brachte sein Team auf 17:19 heran. Der Kampf der beiden Routiniers Eduard Kratz (74 kg G) und Adam Juretzko musste also die Entscheidung bringen. „Edi“ ging nach einem Durchdreher mit 3:0 in Führung und sein Gegner konnte zum Schluss nur noch auf 3:2 verkürzen. Das war’s dann aber auch und dann gab es nur noch stehende Ovationen für die Nendinger Mannschaft, die damit zum ersten Mal gegen den SVG mit 21:18 die Oberhand behielt.
Die Kämpfe im Einzelnen (Nendingen zuerst genannt): 55 kg F: Ghenadie Tulbea – Alexandru Chirtoaca 4:0 (SS bei 3:0). -120 kg G: Balazs Kiss - Oliver Hassler 3:1 (PS 6:1). - 60 kg G: Dawid Ersetic – Peter Modos 0:4 (TÜ 1:14). –  96 kg F: Nicolai Ceban – Bekhan Kurkiev 3:1 (PS 8:2). – 66 kg F: Tim Baur – Anatoli Guidea 0:4 (TÜ 0:11). – 84 kg G: Nenad Zugaj – Mateusz Wolny 4:0 (TÜ 13:2). – 66 kg G: Benjamin Raiser - Ionut Panait 0:4 (DS bei 0:10). – 84 kg F: Piotr Ianulov – Gabriel Seregelyi 4:0 (TÜ 12:0). – 74 kg F: Ergün Aydin – Georg Harth 1:3 (PS 1:7). – 74 kg G: Eduard Kratz – Adam Juretzko 2:1 (PS 3:2). Endstand: 21:18

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