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SVG Weingarten - ASV Nendingen 16:18

Artikel vom 09.02.2014, Autor: Fritz Reichle, Views: 4818, Kommentare: 0

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Auswärtssieg des ASV – Reicht das Punktepolster?

In einem an Spannung und Dramatik kaum zu überbietenden Kampf hat der ASV Nendingen am Samstag seinen ersten Auswärtssieg gegen den SV Germania Weingarten errungen. Mit dem 18:16 in der Holzindustrie-Halle in Bruchsal hat sich der ASV damit im Hinkampf des Finales um die Deutsche Meisterschaft eine gute Ausgangsposition für den Rückkampf am 15. Februar in der Helios-Arena in Schwenningen geschaffen.

Wenn auch viele Experten ein solches Ergebnis in etwa vorhergesagt hatten, so verlief dieser Kampfabend in den einzelnen Begegnungen über weite Strecken völlig anders als erwartet. Das fing beim ASV eigentlich schon kurz vor dem Kampf an, als der für die Klasse bis 60 kg G vorgesehene Dawid Ersetic wegen der Vorbereitung auf die EM kurzfristig keine Freigabe vom polnischen Verband für diesen Kampf erhielt. Ersetic hat seit einiger Zeit wegen seiner Abstammung einen deutschen Pass und wäre als U 23-Ringer natürlich ein Trumpf-Ass des ASV gewesen.

ASV-Trainer Volker Hirt musste deswegen umdisponieren. Baris Diksu sprang in dieser Gewichtsklasse ein und Louis Stumpe übernahm die Rolle des U 23- Ringers. Dass damit die Klasse bis 66 kg G wegen des Übergewichts des 17-Jährigen ASV-Talents von vornherein mit 0:4 an Weingarten ging, war einkalkuliert, denn Ion Panait galt ohnehin als klarer Favorit in dieser Klasse. Mit diesem Schachzug konnten jedoch die übrigen Klassen wie geplant besetzt werden.

Erstmals zum Einsatz beim ASV kam Neuzugang Riza Kayaalp, der vom SVG Weingarten nach Nendingen gewechselt war. Die in den dreifachen Europameister gesetzten hohen Erwartungen konnte er bei seinem eher mühevollen Punktsieg gegen Oliver Hassler allerdings nicht erfüllen. Zwar war sein 3:1 kein Einbruch, aber stimmungsmäßig ließ dieser Kampf kurzfristig die Aktien der Gastgeber gewaltig steigen, die Hoffnungen der ASV-Fans aber vorübergehend dämpfen.

Für mehr als einen Ausgleich sorgte aber dann kurz darauf Nicolai Ceban, der gegen den Albaner Egzon Shala wie schon gegen Mainz wieder einen glänzenden Kampf machte. Mit 14:2 Wertungspunkten holte er einen unerwarteten „Vierer“ für den ASV und unterstrich einmal mehr seine glänzende Form und sein tolles Engagement für seinen Verein.                                                     Und der zweite Matchwinner für den ASV war nach der Pause Nenad Zugaj. Nachdem er in den letzten Kämpfen noch etwas gehemmt gewirkt hatte, trumpfte er in Weingarten gegen Ramsin Azizsir gewaltig auf. Wie zu seinen besten Zeiten marschierte er bei seinem unerwartet klaren Sieg mit 11:4 vorwärts und brachte den ASV Nendingen damit doch noch auf die Siegerstraße.

Fast alle anderen Begegnungen waren hart umkämpft und auch geprägt von Entscheidungen des Kampfgerichts, die beim Anhang des ASV teilweise auf heftige Proteste trafen. Mit einigen Passivitätsurteilen beispielsweise waren die Nendinger gar nicht einverstanden. Nur einmal kam Trainer Volker Hirt aber mit seiner Challenge und dem Videobeweis erfolgreich durch.

In der für einen Finalkampf eigentlich viel zu kleinen Halle hatten sich unter den wohl über 2 000 Zuschauern mindestens 250 Nendinger Fans eingefunden. Und sie machten schon vor Kampfbeginn mächtig Stimmung. Mit ihren unermüdlichen Sprechchören gaben sie ihren Ringern enormen Rückhalt und ließen manchmal sogar wieder Heimkampfstimmung aufkommen. Da kann man jetzt schon erahnen, was am kommenden Samstag in der Helios-Arena bei der Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft abgehen wird.

Ein Kampfverlauf mit Höhen und Tiefen

Ghenadie Tulbea (55 kg F) hatte die Aufgabe, den ASV möglichst mit einem Sieg gleich in Führung zu bringen. Dieses Ziel schien er souverän zu erreichen, als er mit einem schönen Doppelbeinangriff zur Pausenführung von 3:0 kam und seinen Vorsprung dann sogar noch auf 5:0 ausbauen konnte. Dann kam jedoch Alexandru Chirtoaca besser in den Kampf und konnte doch noch auf 3:5 verkürzen. Der ASV führte dennoch mit 2:1.

Alle im ASV-Lager hofften nun, dass Riza Kayaalp, der Weltmeister von 2011, mit einem Vier-Punkte-Sieg gegen Oliver Hassler die Nendinger klar in Führung bringen würde. Seine Weltklasse demonstrierte er auch zu Beginn eindrucksvoll, als er schon nach einer Minute mit 6:0 und kurz darauf gar mit 8:0 vorne lag. Dann allerdings schien er von der Rolle zu sein, als er sich erst von seinem fast 20 kg leichteren Gegner mit einem Armzug überraschen ließ, und in der Folge sogar immer mehr in die Defensive geriet. Zwar reichte es gerade noch zu einem Sieg mit 3:1, doch da hatte man sich beim ASV mehr erwartet.

Einen guten Kampf zeigte Baris Diksu (60 kg G) gegen Jani Haapamäki, den Europameister von 2009, den die Germanen kurzfristig eingeflogen hatten. Der Finne konnte gegen den aufopferungsvoll kämpfenden Nendinger nie entscheidende Akzente setzen. Nach einer 1:0-Führung zur Pause war er sogar immer mehr nur in der Defensive. Als er in der Unterlage nach Ansicht des ASV unerlaubte Beinarbeit einsetzte, kam Nendingen mit dem Videobeweis nicht durch, so dass der SVG diesen Kampf nur recht glücklich mit 2:0 für sich entscheiden konnte.

Als die Stimmung im Nendinger Lager sich schon etwas eintrübte, sorgte Nicolai Ceban (96 kg F) für einen entscheidenden Umschwung. Egzon Shala, der EM-Fünfte des letzten Jahres, war als gleichwertiger Gegner eingeschätzt worden. Und diese Erwartung schien bei einem Pausenstand von 2:2 auch gerechtfertigt zu sein. Wie dann aber Nicolai Ceban in nur 40 Sekunden in der 4. Minute die Hoffnungen der Gastgeber zerschlug, war unglaublich. Nach Beinangriff und einer Serie von Beinschrauben holte er in kürzester Zeit 12 Punkte und hatte den Kampf schon nach 3:59 Minuten vorzeitig für sich entschieden.

Damit war der ASV wieder im Rennen und mit 9:4 nun doch scheinbar beruhigend in Führung. Aber entschieden war damit noch gar nichts. Denn Samet Dülger (66 kg F) hatte wie erwartet gegen Anatoli Guidea, den EM-Zweiten von 2012, einen schweren Stand. Unermüdlich versuchte er immer wieder zu punkten, doch der Germane setzte die entscheidenden Attacken und brachte den SVG mit dem Pausenstand von 7:9 wieder gefährlich nahe heran.

Nur wenige im ASV-Lager waren nun noch von einem Sieg ihrer Mannschaft überzeugt, doch jetzt war es Nenad Zugaj (84 kg G), der die Hoffnung nach Nendingen zurück brachte. Nach seinen bisher glänzenden Leistungen war Ramsin Azizsir als zumindest gleichwertiger Gegner eingeschätzt worden. In einem lebhaften und zunächst engen Kampf ging der Nendinger zur Pause mit 5:3 in Führung und hatte dabei auch mal wieder in der Bodenlage mit einem Durchdreher gepunktet. Danach aber war es nur noch Nenad Zugaj, der unter der begeisterten Anfeuerung der ASV-Fans, gegen einem zunehmend völlig entkräfteten Azizsir die Punkte zum unerwartet klaren Sieg mit 11:4 machte.

Auch als danach Louis Stumpe (66 kg G) die vier Punkte gegen Ion Panait zum Zwischenstand von 12:12 abgab, blieb die Stimmung im ASV-Lager euphorisch. Der 17-jährige Nendinger hatte ja schon auf der Waage verloren, doch hielt er sich im Freundschaftskampf gegen den Favoriten lange Zeit hervorragend. Zur Pause führte er sogar mit 1:0, ehe sich der Favorit doch noch vorzeitig überlegen durchsetzte.

Die Siegeshoffnungen des ASV beruhten nun auf den beiden nächsten Kämpfen. Und der in dieser Saison bisher unbesiegte Piotr Ianulov (84 kg G) zeigte sich tatsächlich auch in Bruchsal als zuverlässiger Siegringer. In einem engen Kampf gegen den starken Bekhan Kurkiev holte er für den ASV mit 4:2 Wertungspunkten den erhofften Sieg zur Führung mit 14:13.

Und auch Saba Khubezhty (74 kg F) erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen. Auch wenn er zur Pause etwas umstritten mit 0:1 zurück lag, ließ er in der 2. Hälfte Georg Harth beim Sieg mit 7:1 keine wirkliche Chance. Immer wieder setzte er sich in umkämpften Situationen mit seiner Cleverness durch und erhöhte für Nendingen auf 17:14.

In der Klasse bis 74 kg G gab es wie schon in der Gruppenphase den ganz engen Kampf zwischen Frank Stäbler und Adam Juretzko. Mehrere Entscheidungen waren sehr umstritten. Zur Pause führte Fränky mit 2:1, doch am Ende wurde das Weingartener Urgestein Juretzko doch mit 4:2 zum Sieger erklärt. Das änderte nichts am Sieg der Nendinger Mannschaft. Mit den zwei Punkten Vorsprung beim 18:16 hat sich der ASV auf jeden Fall schon mal ein kleines, aber keineswegs beruhigendes, Polster für den Rückkampf verschafft.

Die Kämpfe im Einzelnen (Weingarten zuerst genannt): 55 kg F: Alexandru Chirtoaca – Ghenadie Tulbea 1:2 (PS 3:5). - 120 kg G: Oliver Hassler - Riza Kayaalp 1:3 (PS 4:9). - 60 kg G: Jani Haapamäki – Baris Diksu 2:0 (PS 2:0). - 96 kg F: Egzon Shala - Nicolai Ceban 0:4 (TÜ 2:14 nach 3:59 Minuten). - 66 kg F: Anatoli Guidea – Samet Dülger 3:0 (PS 7:0). - 84 kg G: Ramsin Azizsir – Nenad Zugaj 1:3 (PS 4:11). - 66 kg G: Ion Panait – Louis Stumpe 4:0 (ÜG, 12:2 nach 4:39 Minuten). - 84 kg F: Bekhan Kurkiev – Piotr Ianulov 1:2 (PS 2:4). - 74 kg F: Georg Harth – Saba Khubezhty 1:3 (PS 1:7). - 74 kg G: Adam Juretzko –Frank Stäbler 2:1 (PS 4:2). Endstand: 16:18.

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