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Mattensplitter 05/2014

Artikel vom 16.02.2014, Autor: Fritz Reichle, Views: 4683, Kommentare: 0

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Hilft ein Trainer-Bart auch im Finalrückkampf?

In schwierigen Situationen klammern sich Menschen oft an abergläubische Rituale. In Sportlerkreisen ist der Spruch „wer rasiert, verliert“ so ein Motto, an das man sich im Streben nach einem Sieg gerne klammert. ASV-Trainer Volker Hirt hat sich in der Endrunde bisher erfolgreich an diese Maxime     gehalten und damit nun schon fünf Siege feiern können. Auch wenn sein Bart gewaltig kratzt, so möchte er ihn doch bis zum kommenden Samstag tragen, um ihn sich dann entweder als Deutscher Meister oder Vizemeister abrasieren zu lassen. Das könnte er am Sonntagnachmittag in der Nendinger Donauhalle über sich ergehen lassen,  und natürlich am liebsten dann, wenn die als Saisonabschlussfeier des ASV deklarierte Party als Meisterfeier gestaltet werden könnte.

Aber zuvor steht dem Trainerstab, den Ringern und Fans ein weiterer vermutlich nervenaufreibender Abend in der Helios-Arena ins Haus. Schon am vergangenen Samstag in Bruchsal mussten sie alle ein wahres Wechselbad der Gefühle durchmachen, das von Euphorie über aufkommende Resignation bis hin zu vorsichtigem Optimismus reichte. Und jedem fachkundigen Beobachter ist klar, dass der Rückkampf vermutlich genau so offen ist, wie die erste Begegnung. Wer sich jetzt schon als Meister fühlt, für den könnte die mögliche Enttäuschung brutal werden.

Zwei Punkte Vorsprung sind vielleicht als Anreiz für den Zuschauerandrang ideal, aber keinesfalls darf diese Führung zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl verleiten. Der SV Germania Weingarten wird im Rückkampf keinesfalls schwächer als in Bruchsal sein. Für den Stilartwechsel stehen mit Araz Khalilov (55 kg G) und Marcel Ewald (60 kg F) sowie Oliver Hassler (96 kg G) und Soslan Gagloev (120 kg F) ausgesprochen starke Ringer bereit, die den Nendingern das Siegen ungemein schwer machen werden.

Ob die Halle der Holzindustrie in Bruchsal am letzten Samstag ein geeigneter Austragungsort für einen Finalkampf um die deutsche Meisterschaft war, darüber kann man getrost diskutieren. Nur mit Grausen hätte man sich in der viel zu kleinen und engen Halle einen panikartigen Notfall vorstellen können. Dass der Hallensprecher in diesem Hexenkessel versuchte, den legendären Boxkampf-Ansager Michael Buffer vor allem durch völlig überzogene Lautstärke bei der Ankündigung der eigenen Ringer zu übertreffen, sollte wohl vor allem der Aufmunterung der Germanen angesichts des starken Gegners aus Nendingen dienen. Und dazu sollte vielleicht auch der Effekt beitragen, die Ringer des ASV völlig im Dunkeln zur Vorstellung aufmarschieren zu lassen, während die SVG-Ringer im hellen Scheinwerferlicht standen. Sollte da den Heimringern die Angst vor den Gegnern genommen werden oder war das etwa einfach nur ein Versagen der Technik?

Kein Versehen aber ein peinlicher Moment für den Veranstalter war es dann, als nach all dem Lärm- und Lichtergetöse die Kämpfe endlich beginnen sollten. Da aber war die Hallenanzeige mit dem Beamer nicht in Gang zu bringen, so dass die Kämpfe statt um 19.30 Uhr erst um 19.45 Uhr angepfiffen werden konnten. So etwas kann natürlich geschehen, ist aber in einem Finale sehr unangenehm. Bleibt zu hoffen, dass in der geräumigen Helios-Arena vor fast ausverkauftem Haus nicht nur sportlich sondern auch organisatorisch alles so läuft, wie sich das die Verantwortlichen beim ASV vorstellen.

Trotz all dieser Nebenaspekte wurde der erste Finalkampf dank der Leistungen der Ringer beider Mannschaften und dank der elektrisierenden Hochspannung unter den Fans zu einem mitreißenden Ringerspektakel. Und obwohl der Sprecher der Germanen seine Fans als „die besten in ganz Deutschland“ feierte, waren es vor allem die Anhänger des ASV Nendingen, die in diesem Auswärtskampf trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit den SVG-Fans zumindest Paroli boten. Da kann man am Samstag in der Helios-Arena nicht nur gespannt sein auf die Kämpfe auf der Matte, sondern auch auf den friedlichen Wettstreit der Fans auf den Rängen.

Katgeorien

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