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ASV Nendingen ist DMM

Artikel vom 16.02.2014, Autor: Fritz Reichle, Views: 4625, Kommentare: 0

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Der ASV Nendingen ist Deutscher Meister !!!

Mit dem knappsten aller denkbaren Ergebnisse hat sich der ASV Nendingen am Samstag erstmals den deutschen Meistertitel gesichert. Der ASV unterlag zwar im zweiten Finalkampf gegen den SV Germania Weingarten mit 14:16. In der Addition beider Kämpfe stand es damit 32:32. Nun musste die höhere Zahl der Einzelsiege aus beiden Begegnungen entscheiden. Und hier lagen die Nendinger nach ihren sechs Siegen auswärts und fünf Siegen daheim mit 11:9 knapp vorne.
Man soll mit Superlativen ja eigentlich sparsam umgehen. Doch dieser Ringerabend in der Schwenninger Helios-Arena war einfach sensationell und übertraf wohl alle ohnehin hoch gespannten Erwartungen. Da war einmal ein fast ausverkauftes Haus mit 6 100 Zuschauern, einer Zahl die in den letzten 20 Jahren in Deutschland bei den Ringern nie erreicht wurde. Und dieses Publikum sorgte für eine Stimmung, die wohl bei vielen in der Arena zeitweise wahres Gänsehautgefühl entstehen ließ.
Und dann sorgten die Ringer beider Mannschaften mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz und technischen Können für Ringsport auf absolutem Weltklasseniveau. Dazu kam dann aber auch noch ein Kampfverlauf mit einem Spannungsbogen, wie ihn Alfred Hitchcock auch in seinen besten Filmen nicht hätte übertreffen können. Mehrfach schien der Kampfverlauf auf die eine oder andere Seite zu kippen, ehe dann der nächste Kampf der Begegnung doch wieder eine neue Wendung zu geben schien.
Und so wurde dieses Ringen um die Meisterschaft buchstäblich im letzten Kampf in der letzten Sekunde entschieden. Nach einer Wertung kurz vor Ablauf der sechs Minuten wurde von den Gästen der Videobeweis angefordert. Und erst mit der Ablehnung dieses Protestes standen der Ausgang dieses Kampfes und damit die denkbar knappe Entscheidung über die Meisterschaft fest.
Vielleicht war an diesem Abend das entscheidend, was ASV-Trainer Volker Hirt in dieser Saison immer wieder betont hat: „Wir sind als Mannschaft zu einer verschworenen Einheit zusammengeschweißt und das kann am Ende entscheidend sein.“ Und in der Tat hatte man in diesem Finale den Eindruck, dass hier einer für den anderen kämpfte. Eine scheinbare Schwäche des einen wurde sofort von einem anderen durch eine unerwartete Steigerung ausgebügelt.
Deswegen darf man auch keinen Einzelnen aus diesem hoch motivierten und engagiert kämpfenden Meisterteam herausheben. Dennoch muss festgestellt werden, dass die überragenden Siege von Florin Gavrila und von Samet Dülger an diesem Abend die Grundlage für den Meisterschaftserfolg gelegt haben. Und noch eines muss herausgehoben werden: Am Samstag war mit Peter Öhler nur einer der acht Neuzugänge des ASV dieser Saison auf der Matte. Alle anderen Ringer bilden schon seit Jahren den Kern dieser Meistermannschaft.
Beide Trainer hatten im Aufstellungspoker die gleiche Karte gezogen. Sie verzichteten mit Roman Amoyan (ASV) und Ariz Khalilov (SVG) auf ihre stärksten Ringer der Klasse bis 55 kg G, um so mit Saba Khubezhty (ASV 74 kg F) und Bekhan Kurkiev (84 kg F) zwei andere Nicht-EU-Ringer einsetzen zu können. Die beiden letzteren kamen dann auch zu den jeweils erhofften Siegen. In der Klasse bis 55 kg G setzte sich dann aber in einem höchst dramatischen Kampf Florin Gavrila für Nendingen sogar mit einem völlig unerwarteten und letztlich für den ASV entscheidenden Vier-Punkte-Sieg durch.
Der Ringer-Krimi im Zeitraffer
Im ersten Kampf schienen nach zwei Minuten schon alle Träume des ASV Nendingen zu platzen. Florin Gavrila (55 kg G) lag nach kurzer Zeit nach einem Blitzstart von Alexander Chirtoaca mit 0:6 Punkten im Rückstand. Dann erst kam er besser in den Kampf und konnte zur Pause auf 2:6 verkürzen. Nun aber marschierte nur noch der Nendinger Co-Trainer, der den Gast immer mehr in die Defensive drängte. Zwei Mal kam er mit Aushebern zu Dreier-Wertungen und machte aus dem Rückstand eine 10:6 Führung. Der Gast konnte sich als gelernter Freistilringer mehrfach nur mit regelwidriger Beinabwehr helfen und musste nach der dritten Verwarnung disqualifiziert werden. Dieser sensationelle Sieg von „Kempes“ löste im ASV-Lager natürlich grenzenlosen Jubel aus.
Nicolai Ceban (120 kg F) konnte gegen den 24 kg schwereren Soslan Gagloev eigentlich nur auf Schadensbegrenzung aus sein. Der Slowake blockierte alle Angriffsversuche des Nendingers ab und kam seinerseits immer wieder mit seinen Beinangriffen zum einkalkulierten Sieg mit 3:0 Mannschaftspunkten.
Ein wichtiger Schlüsselkampf stand nun in der Klasse bis 60 kg F an. Ghenadie Tulbea hatte gegen Marcel Ewald zuletzt hauchdünn verloren. Beide Ringer kennen sich aus vielen Begegnungen und neutralisierten sich so in einem stets spannenden Kampf weitgehend. Den Ausschlag für den für den ASV so wichtigen 2:1 Erfolg des Nendingers gaben seine stärkere Aktivität und sein unbändiger Siegeswille.
Genauso hart umkämpft war die Begegnung zwischen Peter Öhler (96 kg G) und Ramsin Azizsir. Der hatte in der Saison dem Nendinger seine einzige Niederlage beigebracht und erwies sich auch diesmal als ganz unbequemer Gegner. In der 5. Minute kam der SVG-Ringer durch eine Verwarnung Öhlers zur Führung mit 1:0. In der Schlussphase wertete das Kampfgericht einen Angriff Öhlers mit jeweils 2 Punkten zum Stand von 2:3. Der vom ASV angeforderte Videobeweis führte zu einer Streichung beider Wertungen mit der Folge, dass nun allerdings der knappe Sieg des Gastes zu 0:2 statt 1:2 Mannschaftspunkten führte.
Damit stand es 6:6 vor dem schweren Kampf von Benjamin Raiser (66 kg G) gegen Ion Panait, einem absoluten Trumpf-Ass des SVG. So sehr sich „Benj“ mit aller Unterstützung der Zuschauer auch mühte, kurz vor Ablauf der sechs Minuten hatte Panait mit 13:0 die Punkte zum Vier-Punkte-Erfolg gesammelt. Trotz des Standes von 6:10 zur Pause waren dennoch die ASV-Hoffnungen noch nicht erloschen, denn man rechnete mit drei Siegen aus den letzten fünf Kämpfen.
Den ersten davon erhoffte man sich vom bisher ungeschlagenen Piotr Ianulov (84 kg F), der aber schon in Weingarten mit Bekhan Kurkiev große Mühe hatte. In einem hochklassigen Freistilkampf schien sich der Nendinger beim Stand von 2:2 mit einem Beinangriff durchzusetzen, als der Gast am Mattenrand aber blitzschnell konterte und mit einer vorentscheidenden Zweier-Wertung in Führung ging. Ianulov kam zwar mit unermüdlichem Einsatz mit zwei Einsern zum 4:4 Gleichstand. Doch die höhere Wertung entschied zum Sieg der Gäste mit 1:2. War das die von den SVG-Fans bejubelte Wende?
Samet Dülger (66 kg F) hatte im Hinkampf mit 0:7 gegen Anatoli Guidea verloren. Ein ähnliches Ergebnis hätte die Gäste mit 7:15 praktisch uneinholbar in Führung gebracht. Was nun aber geschah, lässt sich aus ASV-Sicht nur mit dem Wort „Wahnsinn“ beschreiben. Samet Dülger legte gegen den verdutzten Gast los wie die Feuerwehr und lag nach zwei Minuten unter dem ohrenbetäubenden Jubel der ASV-Fans sensationell mit 7:0 in Führung. Das war viel, aber war es auch genug? Denn nun begann die Aufholjagd des Gastes, der bis dahin noch nie gegen einen deutschen Ringer verloren hatte. Sechs Punkte holte er auf, aber der Nendinger rettete mit letzter Kraft das 7:6 und ließ mit diesem überragenden Erfolg die Nendinger beim Stand von 9:13 noch hoffen.
Nenad Zugaj (84 kg G) konnte nun mit einem Sieg gegen den gefährlichen Ilian Georgiev den ASV noch näher heranbringen. Und das gelang ihm auch in einem verbissenen Kampf, in dem ihm in der 4. Minute mit einem Take-Down die entscheidende Wertung zum 2:0 Sieg und damit zum Stand von 11:13 gelang.
Der nächste Schlüsselkampf stand nun in der Klasse bis 74 kg G an, wo Volker Hirt überraschend  statt Frank Stäbler diesmal Eduard Kratz aufbot, der im Kampf in der Mühlauhalle im September Adam Juretzko knapp besiegen konnte. Im letzten Kampf seiner Karriere auf der Matte gab „Edi“ wie gewohnt alles. Aber der in dieser Saison überragend auftretende Weingartener „Commander“ kam in einem Kampf auf Augenhöhe einmal mit einem halb geglückten Armzug zu einem Einser, der ihm den knappen Sieg mit 2:0 brachte.
Beim Stand von 11:15 musste der Kampf von Saba Khubezhty (74 kg F) gegen Georg Harth die Entscheidung bringen. Die Nendinger Hoffnungen auf einen deutlichen Punktsieg schienen in Erfüllung zu gehen, als der ASV-Ringer zur Pause mit 5:0 in Führung ging. Diese Führung baute er dann sogar auf 6:0 aus. Mit einer Zweier-Wertung hätte der nie aufgebende SVG-Ringer aber seiner Mannschaft mit einer Niederlage mit 1:2 Mannschaftspunkten den Titel doch noch sichern können. Wenige Sekunden vor Schluss glückte ihm tatsächlich eine Aktion, die die Kampfrichter aber nur mit einer Eins bewerteten.
Da stürmten die Nendinger schon siegessicher auf die Matte, als die Gäste aber durch einen Videobeweis doch noch auf eine für sie entscheidende Zweierwertung hofften. Doch dieser Protest wurde abgelehnt und nun gab es für die Ringer und Trainer des ASV kein Halten mehr. Der Rest war Jubeln, Tanzen, Triumphieren. Der Titel gehört den Nendingern. Der Respekt und die Anerkennung gelten aber auch dem SVG Weingarten, der seinen Anteil zu einem begeisternden und unvergesslichen Ringerspektakel geleistet hat.
 
Die Kämpfe im Einzelnen (Nendingen zuerst genannt): 55kg G: Florin Gavrila – Alexander Chirtoaca 4:0 (DQ bei 10:6). - 120 kg F: Nicolai Ceban – Soslan Gagloev 0:3 (PS 0:8). - 60 kg F: Ghenadie Tulbea – Marcel Ewald 2:1 (PS 2:1).- 96 kg G: Peter Öhler – Ramsin Azizsir 0:2 (PS 0:1). - 66 kg G: Benjamin Raiser - Ion Panait 0:4 (TÜ 0:13). - 84 kg F: Piotr Ianulov – Bekhan Kurkiev 1:2 (PS 4:4). - 66 kg F: Samet Dülger – Anatoli Guidea 2:1 (PS 7:6). - 84 kg G: Nenad Zugaj – Ilian Georgiev 2:0 (PS 2:0). - 74 kg G: Eduard Kratz - Adam Juretzko 0:2 (PS 0:1). - 74 kg F: Saba Khubezhty – Georg Harth 3:1 (PS 7:1). Endstand: 14:16- Gesamtstand beider Kämpfe 32:32. Nendingen siegt wegen der höheren Zahl der Einzelsiege (11:9).

 

Katgeorien

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