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ASV Nendingen - ASV Mainz 11:24

Artikel vom 04.10.2011, Autor: Fritz Reichle, Views: 3362, Kommentare: 0

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Der ASV kann gegen den Tabellenführer nicht gewinnen

Die 750 Zuschauer in der Tuttlinger Mühlauhalle werden sich an diesen Kampf mit zwiespältigen Gefühlen erinnern. Einerseits erlebten sie absolute Weltklassekämpfe, wie man sie in unserer Region wohl kaum einmal gesehen hat. Andererseits mussten sie mitleiden, als die Träume des ASV von einem Außenseitersieg gegen den Tabellenführer der Bundesliga ziemlich unsanft beendet wurden.

Die Niederlage fiel mit 11:24 sicherlich zu hoch aus. Aber jeder beim ASV musste neidlos anerkennen, dass die Ringer des ASV Mainz sich in blendender Form vorstellten und mit dem fünften Sieg in Folge unterstrichen, dass sie in dieser Saison mehr als nur einen Endrundenplatz anstreben.

Der ASV Nendingen kann es sich allerdings als Kompliment anrechnen, dass dieser Meisterschaftsanwärter mit seiner bestmöglichen Aufstellung anreiste und seinen Sieg mit großer Erleichterung frenetisch bejubelte. Sowohl Volker Hirt als auch der Gästetrainer Baris Baglan hatten wie erwartet gepokert. Beide hatten einen deutschen U-23-Ringer „geopfert“, um so einen zusätzlichen sechsten ausländischen Ringer einsetzen zu können.

So kam Ghenadie Tulbea zu einem leichten Sieg. Und auch Nicolai Ceban und Nenad Zugaj bei seinem ersten Kampf im ASV-Trikot holten nach harten Kämpfen die erhofften Siege für den ASV. Entscheidend für den Mainzer Sieg waren aber die drei Schlüsselkämpfe in den beiden Gewichtsklassen bis 74 kg und in 66 kg F. Hier hätte der ASV mindestens zwei Mal siegen müssen, aber alle drei Kämpfe gingen an die Gäste.

Keinerlei Mühe hatte Ghenadie Tulbea (55 kg) bei seinem überlegenen Sieg gegen Kevin Grasmann. Scheinbar spielerisch hatte er schon nach zwei Minuten seinen jungen Gegner mit 19:0 Punkten deklassiert. Nach einer Ringerpause von fast einem Jahr wurde Andreas Miekeley (120 kg) vom Publikum besonders herzlich begrüßt. Gegen den 16 kg schwereren griechischen WM-Siebten Xenofon Koutsioumpas machte er einen tollen Kampf und verlor nur relativ knapp. Auch Baris Diksu (60 kg) hielt sich gegen Jurij Kohl, den Deutschen Meister von 2009, zwei Runden lang sehr achtbar. In der 3. Runde aber musste er bei einem spektakulären Ausheber seines Gegners eine Fünferwertung abgeben. Seine Niederlage mit 0:3 kam aber nicht unerwartet.

In der Klasse bis 96 kg erlebten die Zuschauer dann einen absoluten Weltklassekampf. Für Nendingen holte der EM-Dritte Nicolai Ceban zwar den erhofften Punktsieg. Der gewichtsmäßig unterlegene Davyd Bichinashvili lieferte für Mainz aber einen großartigen Kampf. In einer höchst intensiven Auseinandersetzung kämpften beide Ringer bis zur Erschöpfung, ehe sich der Nendinger doch noch mit 3:1 Runden behaupten konnte.

Beim Stand von 7:7 gab es dann jedoch für Nendingen die erste Ernüchterung, als in einem Duell der beiden rumänischen WM-Starter sich George Bucur für Mainz etwas unerwartet mit 3:0 durchsetzen konnte. Yan Ceaban schien etwas verkrampft, nachdem er sich in der 1. Runde von einem Bilderbuchhüftschwung hatte überraschen lassen.

Den erneuten Ausgleich zum 10:10 besorgte dann bei seinem ersten Auftritt in der Mühlauhalle der EM-Dritte Nenad Zugaj (84 kg). Der Kroate holte sich mit enormem kämpferischen Einsatz in allen drei Runden jeweils im Standkampf die Punkte zum Sieg gegen den stets in die Defensive gedrängten Patric Nuding. Der junge Steffen Baur (66 kg) war anschließend erwartungsgemäß gegen den starken Russen Seyran Simonyan ohne Chance. Er setzte sich zwar mutig zur Wehr, musste aber doch schon in der 2. Minute auf die Schultern.

Auch die nächsten drei Kämpfe gingen an die Gäste. Die Niederlage von Marc Buschle gegen den starken rumänischen WM-Starter Stefan Gheorghita kam zwar nicht unerwartet, fiel aber mit 0:4 doch etwas deutlicher aus als erhofft. Ivan Deliverski (74 kg) hatte man einen Sieg gegen Olegk Motsalin zugetraut. Nach gewonnener 1. Runde gab er aber unglücklich die beiden nächsten Runden jeweils bei 1:1 ab und war dann in der 4. Runde konditionell nicht mehr in der Lage dem Kampf noch eine Wende zu geben.

Der letzte Kampf war ein Beispiel dafür wie eng die Kämpfe in der Weltklasse sind. Der für Mainz ringende Bulgare Ilian Georgiev war bei der EM im März mit Platz neun besser gewesen als der Kroate Neven Zugaj (74 kg), der dann aber bei der WM im September mit der Bronzemedaille auftrumpfte. Anders als sein Zwillingsbruder konnte Neven aber seinen Einstand in Nendingen nicht siegreich gestalten und unterlag ganz knapp nach Punkten.

Der Kampfverlauf (Nendingen zuerst genannt): 55 kg F: Ghenadie Tulbea – Kevin Grasmann 4:0 (TÜ 7:0/6:0/6:0).- 120 kg G: Andreas Miekeley – Xenofon Koutsioumpas 0:3 (PS 0:2/0:2/0:1). – 60 kg G: Baris Diksu – Jurij Kohl 0:3 (PS 0:1/0:1/0:6). – 96 kg F: Nicolai Ceban – Davyd Bichinashvili 3:1 (PS 1:0/2:1/0:1/1:0). – 66 kg F: Yan Ceaban – George Bucur 0:3 (PS 1:6/0:1/0:1). – 84 kg G: Nenad Zugaj – Patric Nuding 3:0 (PS 1:0/3:0/1:0). – 66 kg G: Steffen Baur – Seyran Simonyan 0:4 (SS bei 0:4). – 84 kg F: Marc Buschle – Stefan Gheorghita 0:4 (TÜ 0:1/0:6/0:6). – 74 kg F: Ivan Deliverski – Olegk Motsalin 1:3 (PS 2:0/1:1/1:1/0:5). – 74 kg G: Neven Zugaj – Ilian Georgiev 0:3 (PS 0.1/0:2/0:1). Endstand: 11:24

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