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1/2 Finale: ASV Nendingen - ASV Mainz 20:19

Artikel vom 06.01.2013, Autor: Fritz Reichle, Views: 5138, Kommentare: 0

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Ringer-Krimi in der Arena: ASV Nendingen gewinnt gegen Mainz mit 20:19

Der erste Kampf im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft zwischen dem ASV Nendingen und dem ASV Mainz hat am Samstag alles geboten, was das Ringerherz begehrt. Eine Rekordzuschauerzahl von über 2 700, eine tolle Atmosphäre in der Arena Geisingen, dramatische Kämpfe, Hochspannung bis zur letzten Minute und letztlich dann sogar doch noch einen hauchdünnen Sieg der Heimmannschaft mit 20:19.

Das gut amtierende Drei-Mann-Kampfgericht ließ deswegen auch extra mit sechs Ausrufezeichen ins Kampfprotokoll eintragen „Super Ringerstimmung!!!!!!“ Schon vor Beginn der Kämpfe war die Arena zu einem „Hexenkessel“ geworden, als die Guggenmusik der „Mühlengeister“ aus Eigeltingen die Stimmung anheizte. Und auch als die Nendinger dann etwas überraschend und zum Teil unglücklich die ersten vier Kämpfe verloren und 3:10 zurücklagen, feuerten die Zuschauer „ihre“ Ringer weiter unermüdlich an.

Mit Erfolg, denn nun erkämpften die Gastgeber ihrerseits vier Siege in Folge und gingen nach dem achten Kampf erstmals mit 15:14 in Führung. Die beiden letzten Kämpfe mussten die Entscheidung bringen und beide gingen dann sogar jeweils über die vollen fünf Runden. Beim Stand von 17:17 gelang Eduard Kratz nach Rundenrückstand von 1:2 doch noch der Sieg mit 3:2, womit er dem ASV Nendingen immerhin noch ein winziges Polster von einem Punkt für den Rückkampf verschaffte.

Spannender hätte es kein Krimi-Regisseur inszenieren können. Und nachdem viele Fans des ASV Nendingen zur Halbzeit noch eher skeptisch gewesen waren, fand der Jubel nach dem Sieg von „Edi“ Kratz kein Ende mehr. Trainer Volker Hirt fand dann aber schnell zur realistischen Einschätzung zurück: „Wir freuen uns sehr über diesen Sieg in dieser gigantischen Atmosphäre. Aber wir wissen auch, dass auf uns im Rückkampf in Mainz eine sehr schwere Aufgabe wartet“. Der Krimi geht also am nächsten Samstag weiter.

Schon der erste Kampf am Samstag brachte für die Zuschauer ein wahres Wechselbad der Gefühle. Ghenadie Tulbea (55 kg F) punktete den favorisierten Mihran Jaburyan in der 1. Runde mit 8:2 in toller Manier klar aus. Doch dann entschied der armenische WM-Fünfte und Olympia-Siebte die nächsten beiden Runden mit viel Glück jeweils bei Gleichstand von 5:5 durch die höhere Wertung für sich und holte dann auch den Sieg mit 3:1 gegen den konditionell etwas nachlassenden Nendinger.

Hatte man diese Niederlage noch einkalkuliert, so war die Leistung von Mindaugas Mizgaitis (120 kg G) gegen den wesentlich leichteren Daigoro Timoncini doch eher enttäuschend. Er ließ zwar keine technische Wertung zu und unterlag so „nur“ mit 0:1, aber etwas mehr Einsatz hatte man sich im ASV-Lager schon versprochen. Tadellos hingegen war der Auftritt von Baris Diksu (60 kg G) gegen den Universiade-Zweiten Mevlüt Arik. Fast hätte der Nendinger mit großem Einsatz nur mit 0:1 verloren, da gelang dem Mainzer dann in der 3. Runde doch noch eine technische Wertung zum Sieg mit 3:0 Mannschaftspunkten.

Von Nicolai Ceban (96 kg F) hätte man sich eigentlich einen Sieg gegen William Harth erwünscht. Doch diesmal ließ der ansonsten so zuverlässige Siegringer die gewohnte Spritzigkeit und Dynamik vermissen und unterlag etwas überraschend mit 2:3 Runden. Der Jubel im Mainzer Lager war nach ihrem Traumstart mit 10:3 natürlich entsprechend groß. Und dazu kam nun in der Klasse bis 66 kg F mit dem EM-Fünften George Bucur ein Ringer, der fast immer für einen Sieg garantiert.

Doch da hatten die Gäste die Rechnung ohne Samet Dülger gemacht. Der deutsche Meister machte wieder einen glänzenden Kampf und kämpfte seinen favorisierten Gegner mit 3:1 Runden nieder. Damit brachte er Nendingen mit dem Pausenstand von 6:10 doch wieder zurück in diese Begegnung und gab den Impuls zu einer tollen Aufholjagd.

Die zweite Hälfte begann für Nendingen mit dem erhofften Sieg von Nenad Zugaj (84 kg G), der gegen Patric Nuding zwar nur knapp gewann, aber nie in Gefahr war einen Punkt abzugeben. Sehr viel enger war es dann für Frank Stäbler (66 kg G) gegen Dawid Karecinski. „Fränky“ musste hier wirklich alles geben, um gegen den allerdings recht unsportlich auftretenden Gast mit 3:2 die Oberhand zu behalten. Mehrfach konnte Karecinski nur mit unerlaubter Beinarbeit in der Unterlage eine Wertung Stäblers verhindern.

Eine Vorentscheidung musste nun im Kampf von Piotr Ianulov (84 kg F) gegen den Routinier Davyd Bichinashvili fallen. Und Ianulov erfüllte voll die in ihn gesetzten Erwartungen, als er gegen den bis zum Umfallen kämpfenden Mainzer mit einem Sieg in 3:1 Runden seinen ASV erstmals mit15:14 in Führung brachte. Ganz ausgeglichen und offen gestalteten sich dann auch die beiden Begegnungen in der Klasse bis 74 kg. Saba Khubezhty lieferte im Freistil gegen Kiril Terziev, der mit einer Saisonbilanz von 14:0 Siegen anreiste, einen tollen Kampf. Nachdem er die 1. Runde unglücklich im Zwiegriff abgeben musste, ging er mit tollen Aktionen sogar mit 2:1 Runden in Führung und stand in der 4. Runde fast vor dem Sieg. Der Gast konnte sich jedoch doch noch in die 5. Runde retten, die er dann auch knapp für sich entscheiden konnte.

Zum Matchwinner für Nendingen wurde zum Abschluss Eduard Kratz. Er ließ sich in der Unterlage von einem starken Pascal Eisele nur einmal durchdrehen. Obwohl „Edi“ in der Oberlage nicht selber punkten konnte, wehrte er doch weitere Griffversuche seines Gegners ab. Nach großem Kampf und mit letztem Einsatz kam er dann in der 5. Runde im Standkampf zur entscheidenden Wertung zum knappen Sieg mit 3:2.

Die Kämpfe im Einzelnen, Nendingen zuerst genannt: 55 kg F: Ghenadie Tulbea – Mihran Jaburyan 1:3 (PS 8:2/5:5/5:5/0:2). - 120 kg G: Mindaugas Mizgaitis – Daigoro Timoncini 0:1 (PS 0:1/0:1/0:1). - 60 kg G: Baris Diksu – Mevlüt Arik 0:3 (PS 0:1/0:1/0:3). - 96 kg F: Nicolai Ceban – William Harth 2:3 (PS 1:0/0:1/1:0/0:1/0:1). - 66 kg F: Samet Dülger – George Bucur 3:1 (PS 1:1/5:1/1:5/3:0). - 84 kg G: Nenad Zugaj – Patric Nuding 3:0 (PS 1:0/1:0/1:0). - 66 kg G: Frank Stäbler – Dawid Karecinski 3:2 (PS 0:1/2:0/1:0/0:2/2:0). - 84 kg F: Piotr Ianulov – Davyd Bichinashvili 3:1 (PS 1:0/1:0/0:1/1:0). - 74 kg F: Saba Khubezhty – Kiril Terziev 2:3 (PS 0:2/3:0/2:0/2:2/1:3). - 74 kg G: Eduard Kratz – Pascal Eisele 3:2 (PS 1:0/0:2/0:1/1:0/1:0). Endstand: 20:19

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